Navigation in Kroatien
Dank AdriaRoute und Beach4you:
Zielsicher durch Istrien
So mancher Geheimtipp in Istrien blieb bislang ein Geheimtipp, weil er schwer zu finden war. Das soll sich nun durch eine neue Kooperation des Istrien Magazins grundlegend ändern. Damit Sie all unsere Empfehlungen auch wirklich kennen lernen können.
Wegweisend war das Istrien Magazin schon immer. Dass es einem jetzt aber auch im wahrsten Sinne des Wortes zeigt, wo es lang geht, ist neu. Dank einer Kooperation des Trendsetters in Sachen Istrien mit dem Internetportal
www.beach4you.de und dem kroatischen Garmin-Distributor und Hersteller der Navigationssoftware »AdriaRoute« lassen sich demnächst alle Locations aus dem Magazin ganz einfach über das Navi finden. Ob Restaurant, Winzer, Ölmühle, toller Strand oder die Geheimtipps der Istrienurlauber, AdriaRoute weist den Weg und sorgt dafür, dass kein Highlight verpasst wird.
Bisher handelsübliche Navigationssysteme beschränkten sich in Kroatien meist lediglich auf die Fernstraßen und brachten dadurch nur begrenzten Zusatznutzen. Doch das ist jetzt vorbei. Dank »Adriaroute« kann man in Slowenien, Kroatien und Bosnien-Herzegowina jetzt auch jedes kleine Dorf und fast jede Straße finden.
Eine voll routingfähige Navigationslösung mit fast 100-prozentiger Abdeckung, wie es im Fachjargon so schön heißt. Damit ist auch Kroatien kein weißer Fleck mehr auf der Landkarte der europaweiten Navigation. Vertrieben wird diese Navigationssoftware derzeit über das Internetportal
www.beach4you.de. Die Anwendung lässt sichauf allen Garmin-Geräten nutzen und ist als CD erhältlich. Besonders interessant dürfte aber die auf der Basis von Garmin Mobile XT erhältliche mobile Version sein, die mittels mitgeliefertem Speicherchip in den meisten handelsüblichen Handys als mobiler Reisebegleiter wertvolle Dienste leistet. Da beide Lösungen die Möglichkeit bieten, unbegrenzte Points of Interest (POIs) hinzuzufügen, findet man auf
www.beach4you.de für die Region Istrien alle im Istrien-Magazin erwähnten Locations bereits als POI-Download. Doch auch die Nutzer sollen mit einbezogen werden, »ihr« Istrien darzustellen. Sie sind aufgefordert, weitere POIs an
redaktion(at)beach4you zu mailen. Diese werden dann nach einer entsprechenden Überprüfung ebenfalls mit in die POI-Liste aufgenommen. Nutzer der Internetseite haben dann schon daheim die Möglichkeit, sich auf dem eigenen PC ihr persönliches Programm
für Istrien zusammenzustellen. Ob Rundreisen mit dem eigenen PKW oder dem Wohnmobil, ob Schlemmertour oder Kultururlaub: Adriaroute ist wegweisend. Als weitere Ausbaustufe ist geplant, Stadtführungen und die Besichtigung von Sehenswürdigkeiten mit in das System zu integrieren. Hier laufen bereits umfassende Feldversuche, über deren Fortschritte auf der Homepage
www.beach4you.de ebenfalls informiert wird. Das Ziel, ganz Istrien in einer Hand zu halten, ist jedenfalls ein ganzes Stück näher gerückt.
So schmeckt Istrien
Was wäre ein Urlaub ohne gemütliche Stunden in einer urigen istrischen Konoba? Oder dem feinen Menü in einem eleganten Restaurant. Letztere werden für Feinschmecker immer interessanter und kochen dem Rest von Kroatien gehörig was vor.
Der renommierte Restaurantguide Gault Millau zeigt sich von Istriens Feinschmeckerrestaurants mit hoher Wein- und Servicekultur ebenso beeindruckt, wie von der unverbildeten Naturküche ländlicher Konobas. Im sechsten Testjahr wurde zehnmal das beliebte Haubensymbol für außergewöhnliche Qualität vergeben. Viermal bescheinigen zwei Hauben einen hohen Grad an Kochkunst, Qualität und Kreativität. Auch der italienische Guide Veronelli hat Istriens-Top-Adressen inzwischen aufgenommen. Wer wissen möchte, wo es den Einheimischen am besten schmeckt, wählt den ?Istra Gastro? als Reisebegleiter, der sich als kostenlose Broschüre beim Tourismusverband oder im Internet findet (
www.istra.hr).
Restaurant Valsabbion (Gault Millau: 2 Hauben, 16 Punkte)
Istriens Weine: Muskataromen und Rosendüfte
Um den Ort Momjan wurzelt eine der ältesten Rebsorten der Welt und im Hinterland von Poreč muss eine andere Muskatellerart jedes Frühjahr auf Partnersuche gehen. Beide Raritäten ergeben glänzende Dessertweine.
Beim Wein verhält es nicht anders als beim Menschen: Umfeld und Lebensraum bestimmen sein Wesen, lassen ihn süß oder sauer werden und prägen seinen Charakter. Nicht selten verlässt einer seine Heimat und läuft an einem ganz anderen Ort zu Höchstform auf. ? So geschehen auch beim Muskateller.
Im 17. Jahrhundert pflanzten Ansiedler aus dem italienischen Friaul ihren Moscato bianco im Nordwesten Istriens aus und dürften bei der Jungfernernte drei Jahre später ihre wahre Freude gehabt haben. Denn die Rebsorte fand im Gebiet um den Ort Momjan, auf 200 bis 350 Meter Seehöhe ein Terroir vor, dass bis heute wie maßgeschneidert passt: Die grau-weiße mergelige Erde erweckt Finesse und zarten Duft, der sanfte Einfluss des Kontinentalklimas vom Berg Učka zeigt für ein feines Säurespiel verantwortlich und die klimatischen Bedingungen des Mediterran lassen die Trauben hochreif werden. Alle diese Vorzüge ergeben außerordentliche halbtrockene oder halbsüße Dessertweine, für die der Weiße Muskateller mit seinen unverkennbaren Muskataromen geradezu prädestiniert ist.
Im Charakter unvergleichlich
Es hat eine Zeitlang gedauert, bis die istrischen Winzer behaupten konnten, ihr geliebter ?Momjanski Mu?kat" sei ein direkter Verwandter der Rebsorte ?
Muscat blanc à petits grains? - das edelste Kind der großen Muskatellerfamilie. Und ganz gewiss ist man sich dieser Herkunft bis heute nicht. Auch wenn die Charaktereigenschaften, wie etwa die runde Beerenform des Momjaner Mu?kat, deutlich für die prominente Verwandtschaft sprechen, hat die Rebsorte im Verlauf der vergangenen drei Jahrhunderte eine ureigene Spielart entwickelt, die sie einzigartig macht.
Der Winzer Gianfranco Kozlović baut seinen unweit von Momjan wurzelnden Mu?kat mit leichtem bis mittlerem Restzuckergehalt aus und vinifiziert unter anderem (siehe Extrakasten) einen halbsüßen Dessertwein, der deutlich nach Honig und ganz zart nach getrockneten Holunderblüten duftet. Das obligate Muskataroma ist dabei angenehm dezent und wird von einem derart animierenden Säurespiel unterstützt, dass man zu zweit schon mal eine ganze Flasche (0,5) weg trinkt, was bei einem Wein dieser Machart ja eher ungewöhnlich ist. Der Winzer selbst bezeichnet sein Goldstück als idealen Wein zum Meditieren - wir sagen, er ist auch zum Philosophieren recht. Der zweite Winzer, der Jahr für Jahr einen qualitativ hochwertigen Momjaner Mu?kat vinifiziert, ist nur wenige Kilometer von Kozlović entfernt. Das Weingut von Marino Marke?ić firmiert unter der Marke Kabola und ist das wahrscheinlich schönste vinophile Anwesen der Halbinsel. Sein Momjanski Mu?kat ist bei Verkostungen im Ausland schon des Öfteren positiv aufgefallen.
Eine große Familie
Weltweit zählt die große Familie der Muskatellerreben etwa 200 Mitglieder und Verwandte. Drei davon haben sich im idealen Klima Westistriens auch außerhalb der Region von Momjan niedergelassen. Eine Varietät des ?Mu?kat bijeli? (Weißer Muskateller) wird federführend von den Weingütern Degrassi bei Savudrija, Zigante aus Gro?njan und Danijel Kraljević aus Umag angebaut. Ebenso wie sein Artgenosse ?Mu?kat ?uti? (gelber Muskateller) vinifiziert man ihn hauptsächlich halbtrocken oder halbsüß. Der ?Mu?kat ru?a? (Roter- oder Rosenmuskateller) gilt als Istriens Weinrarität schlechthin und ist außerhalb der Region um Poreč nur noch in Südtirol zu finden. Höchstwahrscheinlich hat diese spärliche Verbreitung ihren guten Grund, denn die Rebsorte ist extrem empfindlich und krankheitsanfällig ? eine stets pflegebedürftige Mimose im Weingarten. Peter Poletti, einer der wenigen istrischen ?Rosenmuskateller-Winzer? und Herr über 1.000 Stöcke, versichert glaubhaft, er würde die Rebsorte kein zweites Mal auspflanzen, da könnten ihn deren großartige Rosenaromen noch so sehr bezirzen.
Eigenarten einer Rarität
Ähnlich wie der weiße Muskateller im Gebiet um Momjan hat der Rosenmuskateller um den Küstenort Poreč einen ureigenen Charakter ausgebildet und soll künftig als autochthone Rebsorte ?Mu?kat Ru?a Porečki? geschützt werden. Dem hoch gelobten Potenzial dieser Spielart steht derzeit allerdings nur eine winzige Anbaufläche von 2 bis 3 Hektar gegenüber und das Überleben der Sorte wird nicht nur durch die hohen Pflegeansprüche erschwert. Ein Rebstock liefert kaum mehr als ein Kilogramm Trauben und durch eine kuriose Laune der Natur ist die Rebsorte nur eingeschlechtlich, bringt also ausschließlich weibliche Blüten hervor und benötigt eine andere Rebsorte zur Befruchtung. In den nahe Vi?njan gelegenen Weingärten von Roberto Pulin, dem größten istrischen Rosenmuskateller-Winzer, wurzelt deshalb neben jeder Reihe Mu?kat Ru?a eine Reihe Teran. Trotz all dieser Widrigkeiten hat genau diese Rebsorte ein bedeutendes Kapitel istrischer Weingeschichte geschrieben: Vor einigen Jahrzehnten wurde er via Parenzana (im Volksmund !?Weineisenbah?) von Poreč nach Triest und von dort zu den kaiserlichen und königlichen Höfen der Donaumonarchie transportiert und war als Dessertwein so beliebt, dass man ihm die Beinamen ?König der Weine? und ?Wein der Könige? verpasste.
Kostnotizen
Der weiße Malvazija gehört zu Istrien wie das Meer. Der rote Teran gilt als Liebkind der Einheimischen und bemüht sich redlich um Anerkennung von ?außen?. Die Rebsorte Mu?kat ist in Istrien eine Rarität und nur in sehr kleinen Mengen verfügbar. Fast immer als Dessertwein.
Weingut Kozlović, Momjanski Mu?kat: Der Winzer Gianfranco Kozlović vinifiziert die größte Palette an Muskatellerweinen. Seinen goldgelben Dessertwein aus 100% Momjanski Mu?kat zeichnet der Duft nach Trauben, Honig, Holunderblüten und eine feine Frische am Gaumen aus. Er begleitet halbreife Käsesorten ebenso souverän wie trockenes Mandelgebäck, ist auch solo ein Genuss und bleibt so lange am Gaumen, dass man sich gerne erinnert.
Weingut Kozlović, ?Violetta Rosé?: Mit seinem feinen Rosenduft, dem runden Gaumen und einer eher leichten Struktur eignet sich dieser halbtrockene Wein aus der Muskatellersorte ?Hamburg? sehr gut als Aperitif, zu rohen Scampi, Krabben oder asiatisch gewürzten Gerichten.
Weingut Kozlović, Porečer Rosenmuskateller ?Ru?a Rosé?, halbsüß: Ein außergewöhnlicher Genuss für Liebhaber duftiger Weine mit intensiver Muskat- und Rosennase und delikaten Trockenobstnoten. Ein sehr harmonischer Dessertwein mit schönem Säurespiel und eleganten Aromen.
Marijan Arman, Weißer Mu?kat, ?Mu?katel?: Der auf grauweißem Flyschboden in optimaler Südwestlage gewachsene halbsüße Muskateller erinnert durch sein intensives Feigenmarmeladen-Bukett an Weine von den dalmatinischen Inseln. Er ist allerdings auch als Dessertwein leichter und trinkfreudiger.
Weingut Kabola, Momjanski Mu?kat: Die Muskatellerlage von Marino Markečić spielt je nach Jahrgang mit mehr oder weniger mineralischer Note und einem ausgeprägten Muskataroma. Eine angenehm lebendige Säure bietet dem hohen Restzuckergehalt optimal Paroli. Besonders passend zu Speisen mit dem istrischen Frischkäse Skuta oder zu Desserts mit Mascarponecreme.
Kraljević, Weißer Mu?kat, ?CUI?: Der junge Winzer Danijel Kraljević leistet sich in Umag (Dani, siehe S. XY) ein eigenes Restaurant und bietet dort seine Weine glasweise zu moderaten Preisen an. Ein interessanter weißer Muskateller ist mit von der Partie. Sehr ?mu?kat? und sehr gut - auch solo als Dessert.
Weingut Zigante, Weißer Mu?kat: Für einen guten Teran sind Denis und Duvillio Zigante seit vielen Jahren bekannt. Der weiße Muskateller des Hauses steht dieser Qualität um nichts nach, verströmt feine Muskataromen und ist lustig zu trinken.
Peter Poletti, Porečer Rosenmuskateller ?Rosella?: Peter Poletti, der mehr als fünf Sprachen fließend spricht (auch deutsch) und in dessen Hauskonoba man nach Anmeldung sehr gemütlich Wein verkosten kann, vinifiziert einen halbsüßen Rosé aus 100% Porečki Mu?kat Ru?a, der weniger mit den typischen Muskatnoten betört, als mit einem intensivem Rosenblütenduft. Die Kombination mit Essbarem ist nicht ganz einfach: Erdbeeren oder mit Mascarpone gefüllter süßer Gorgonzola (ital. Käsespezialität) passen perfekt.
Roberto Pulin, Porečer Rosenmuskateller ?Porečki Mu?kat Ru?a?: Roberto Pulin vinifiziert je nach Jahrgang halbtrockene oder halbsüße Weine aus der Rebsorte Porečki Mu?kat Ru?a. Lange Mazeration verleiht der Rarität eine intensiv-rote Farbe, begleitet von ausgeprägten Muskat- und Rosendüften.
Lange vor unserer Zeitrechnung?
Mit ziemlicher Gewissheit ist die enge Verwandschaft des ?Momjanski Mu?kat" (
Muscat blanc à petits grains) die älteste bekannte Rebsorte überhaupt und wurde bereits von den Griechen, spätestens aber von den Römern im 1. Jh. vor Chr. nach Gallien gebracht. In den gemäßigt warmen Klimazonen des Mittelmeerraumes fühlt sich die Rebsorte besonders wohl. In Österreich bewohnt die Varietät nur etwa 150 Hektar, in Deutschland weniger als halb so viel, denn das Kontinentalklima lässt die Säure oft zu kernig und das Bukett ziemlich aufdringlich geraten. Aus diesem Grund verschenkt der weiße Muskateller dort seinen Duft zumeist an Cuvées.
Begriffe auf einem Weinetikett:
bijelo vino = Weißwein
Pjenusavo vino = Sekt, Schaumwein
Crveno vino = Rotwein
Cuveno vino = Auslese
Desertno vino = Dessertwein
Geografsko porijeklo = geografische Herkunft
Kvalitetno vino = Qualitätswein
Polusuho = halbtrocken
Poluslatko = halbsüß
Proizvedeno u ... = Produziert von
Punjeno u ... = abgefüllt von
Ruzica vino = Rosé
slatko = süss
Stolno vino = Tafelwein
suho = trocken
Visoko kvalitetno = hohe Qualität
EMPFEHLENSWERTE WEINGÜTER
Region Buje
Weingut Moreno Degrassi Basanija bb., Savudrija
Tel. 052/759844
Weingut Moreno Coronica Koreniki 86, Umag
Tel. 052/730196
Weingut Danijel Kraljevic Zemljoradnička 11,Umag
Tel. 052/722050
Weingut G. Kozlović Valle 78, Momjan
Tel. 052/779177
Weingut Kabola Kremenje bb, Momjan
Tel. 052/779047
Weingut Lupi Palih boraca 17, Brtonigla
Tel. 052/774717
Weingut Veralda Kr?in 4, Brtonigla
Tel. 052/774111
Weingut Ravalico F&F Nova Vas 101, Brtonigla
Tel. 052/774150
Weingut Duvilio Zigante Kostanjevica 66, Gro?njan
Tel. 052/776220
Weingut Clai (Terre bianche) Brajki 104, Krasica T
el. 091/5776364
Livio & Nikola Benvenuti Kaldir 7, Motovun
Tel. 098/1975651
Region Poreč
Weingut Ivica Mato?ević Krunčići 2, Sv. Lovreć
Tel. 098/367339
Weingut Marijan Arman Narduči 3, Vi?inada
Tel. 052/446229
Weingut Franc Arman Narduči 5, Vi?inada
Tel. 052/446226
Weingut Elido Pilato Vrh La?ići, Vi?inada
Tel. 052/446281
Weingut Franko Radovan Radovani 14, Vi?njan
Tel. 052/462166
Weingut Peter Poletti Markovac 14, Vi?njan
Tel. 052/449251
Weingut Dordano Per?urić Per?urići, Vi?njan
Tel. 052/431586
Weingut Roberto Pulin Dr. S. Fortuna 2, Vi?njan
Tel. 052/449156
Region Pazin
Weingut Darko Matija?ić Pekasi, Zamaski dol
Tel. 052/682126
Weingut Ranko Andelini Velanov brijeg 42, Pazin
Tel. 052/622599
Region Buzet
Weingut Damir Sirotić Sovinjsko polje bb, Buzet
Tel. 052/663027
Region Vodnjan
Weingut Demjan Radeki polie 83, Marćana
Tel. 052/506352
Olivenöl:
Renaissance des grünen Goldes
Vor etwa fünfzehn Jahren wurde Istriens Olivenöl noch in 1,5-Liter Fantaflaschen angeboten und ein guter Kauf war oft Glücksache. Heute produziert die Halbinsel einige der besten Öle des Mittelmeerraumes.
Grün, gelb, violett und blau changieren die Oliven, die im Schatten vor der Ölmühle auf ihre Pressung warten. So schnell wie möglich sollte das geschehen, dann haben negative äußere Einflüsse keine Chance. Bei ?Al Torcio? wird immer noch am Tag der Ernte gepresst. Händisches Pflücken geht diesem Vorgang voraus, das schont Baum und Frucht. Die mühsame Erntearbeit macht etwa die Hälfte der Produktionskosten aus, was sich natürlich auf den Preis auswirkt. Sie ist aber auch Grundlage für hohe Qualität und billiges Olivenöl kann niemals ein hochwertiges Produkt sein. 16 bis 20 Euro pro Liter muss man für ein Spitzenöl rechnen. Das unlängst als ?weltweit bestes Olivenöl vom Typ intensiv-fruchtig? ausgezeichnete ?Izbor? aus der istrischen Ölmühle Stancija Meneghetti (
www.meneghetti.info) lässt sich mit stolzen 100 Euro pro Liter feiern.
Ölkauf ist Vertrauenssache
Leider wird von findigen ?Ölmagnaten? im Mittelmeerraum nur allzu oft getrickst und einige unserer Supermarktöle aus verschiedensten europäischen Ländern tragen die Aufschrift ?extra nativ? zu Unrecht. Nachdem die in Istrien produzierten Mengen für größere Schwindeleien aber viel zu gering sind und die Produzenten hart daran arbeiten, ihre einst ?berühmte Olivenölvergangenheit? wieder zu erlangen, darf man Ehrlichkeit voraussetzen. Die Aufnahme von immer mehr istrischen Ölen in Italiens Welt umfassende Olivenölbibel L?extravergine, bestätigt die Theorie.
?Die Arbeit einer Ölmühle wird von drei Qualitätsfaktoren bestimmt? erklärt ?Al Torcio?-Gründer Tranquilino Beletić: ?Zeit, Reife und Temperatur?. Seine Familie produziert außerhalb von Novigrad Verschnitte aus verschiedenen Sorten (Blends), sowie reinsortige Olivenöle, denen auch seltene regionale Olivenarten wie Itrana oder Rosignolo als Grundlage dienen. Gelesen wird bereits zwischen Ende Oktober und Mitte November, denn laut Beletić erreicht man das beste Aroma wenn 1/3 der Oliven noch grün ist. Gepresst wird in seiner Mühle mit der vorbildlichen Temperatur von 27 Grad.
Grün, grasig und sehr gesund
Auch neueste medizinische Erkenntnisse propagieren die frühe Olivenernte. Bei unreif geernteten Ölen liegt der gesundheitsfördernde Ölsäuregehalt um etwa 10 % höher und die ungesunde Palmitinsäure um ein Drittel niedriger, als bei der Ernte reifer Früchte. Antioxydanten und Polyphenole sind ebenso verstärkt enthalten und die Lagerfähigkeit ist wesentlich verlängert. Das Öl unterscheidet sich auch im Geschmack deutlich von den milden Olivenölen aus später Ernte. Es schmeckt grüner, fruchtiger, grasiger und - bitterer. Letzteres wird den istrischen Qualitätsölen leider allzu oft zum Verhängnis, denn wer an eher neutrale Standardöle gewohnt ist, deutet diese Eigenschaft oft als Makel. Die Wissenschaft hat jedoch längst bestätigt, dass ein wertvolles Olivenöl intensive Aromen und eine deutliche Bitternote aufweisen muss. Hochwertiges ?Extravergine? (extranatives Olivenöl) sollte im Hals zumindest ein bisschen kratzen. Einsteiger greifen daher am besten zu einem Produkt älteren Fülldatums, denn in den ersten drei Monaten nach dem Abfüllen bauen sich die Bitternoten ab.
Die Olivenölrevolution
Dank der Einsatzbereitschaft qualitätsfanatischer Mentoren hat sich Istriens Olivenöl nach der kommunistischen Ära erstaunlich rasch wieder an der Qualitäts-Spitze des Mittelmeerraumes angesiedelt. Genau dort war es auch über Jahrhunderte positioniert, galt sogar als ?Goldstandard? ? eine Meßlatte für alle anderen Öle. Interessant ist bei so viel Prominenz, dass die Halbinsel (als nördlichstes Anbaugebiet für Oliven) ihren frostempflindlichen Kulturen im Vergleich zu südlicheren Gefilden ein eher unwirtliches Klima bietet. Möglicherweise sind die Produzenten allein aus diesem Grund sensibilisiert und betreiben Anbau, Ernte und Pressung mit besonderer Aufmerksamkeit. Heute glänzen die silbrigen Blätter von einer Million Olivenbäumen in Istriens Sonne, nachdem die Halbinsel im Frühjahr vom süßlich-zitronigen Duft unzähliger weißer Olivenblüten geschwängert war. Besonders idyllisch präsentieren sich die Plantagen im Hinterland, wo Spitzenproduzent Klaudio Ip?a unweit von Livade zahlreiche verwilderte Terrassenkulturen rekultiviert hat.
Istriens Olivensorten
Etwa 150 Olivenbaumarten gedeihen in Europa. Unser Steckbrief der gängigsten istrischen Sorten soll als Anhaltspunkt dienen, kann aber nur sehr allgemein ausfallen, da Standort, Lesezeitpunkt und Verarbeitung den Charakter des Öls maßgeblich beeinflussen. Die Ausgewogenheit von Gemüsearomen, Fruchtigkeit, Schärfe und Bitternoten bestimmen Geschmack und Einsatzgebiet. Die meisten Olivenöle werden als Verschnitte mehrerer Sorten (Blends) angeboten werden.
Bianchera
Komplexer Duft nach gelben Äpfeln, Artischocken, frisch geschnittenem Gras und Rosmarin. Am Gaumen Zichorie, Artischocken, grüne Mandeln und zumeist eine deutliche Bitternote.
Einsatz: Pilzgerichte, gratinierter oder gebratener Fisch (z.B. Zander), Kartoffelsuppen, Gemüse, gedünstetes Fleisch, Wildgerichte, Hartkäse.
Bu?a
Istriens meist verbreitete einheimische Sorte. Bei Ernte in einem gelblichen Reifezustand: sehr frische Nase, ausgeprägte Bitternote und pikantes Aroma. Bei Ernte von dunklen, reifen Früchten: Süße und ein harmonisches, würziges Olivenfrucht-Aroma.
Einsatz: roh marinierte Meeresfrüchte oder Fische, Gemüse, Fischgerichte aus dem Backrohr, gebratenes Wild.
Frantoio
Verbreitung in der Toskana und seit 1940 auch in Mittelistrien. Eleganter, komplexer Duft nach Löwenzahn, gemähtem Gras, Artischocken und Vanille. Pikanter, zumeist ausgewogener Geschmack nach Heilkräutern, Pfefferminze und Rosmarin. Feine Nussaromen.
Einsatz: Blatt- und Tomatensalat, sautierte Pilze, marinierter Thunfisch, Fisch- oder Fleischgerichte aus Pfanne oder Backrohr, Rindfleisch, Rosmarinkartoffeln, reifer Hartkäse.
Istarska Bijelica
In Istrien und am Kvarner beheimatete Sorte. Ausgeprägt herbe Bitternote. Aromen von Artischocke, Wilddistel, Würzkräutern, Pfefferminz, Salbei und/oder Rosmarin. Pfeffrig am Gaumen, Mandelnoten im Abgang.
Einsatz: Bohnensalat, marinierter Thunfisch, gratiniertes Gemüse, sautierte Steinpilze, gebratener Fisch, reifer Hartkäse.
Itrana
Seltene istrische Sorte. Schöne grüne Paprikanoten, unreife Tomate, Minze, Salbei, Oregano und Rosmarin. Cremiger Gaumen, pikanter Abgang, ausgeprägte Bitternoten.
Einsatz: Bruschetta, Carpaccio, gratinierter oder gedünsteter Fisch (z.B. Wolfsbarsch), Garnelen, Pasta mit Hummer oder Krebsfleisch, gegrilltes Wild, Hartkäse.
Lecchino
Meistverbreitete Olivenbaumsorte der Welt. Zumeist intensiver Duft nach frisch geschnittenem Gras, Heilkräuternoten, Minze, Basilikum. Am Gaumen viel Fülle und Schmelz; Salat, Zichorie, süße Mandelnoten im Abgang. Pikant. Harmonisch eingebettete Bitternoten.
Einsatz: Blattsalate, Tomaten, Mozzarella, marinierte Fischgerichte, Pasta mit Meeresfrüchten, Muscheln, Huhn und Fisch vom Grill, Ziegenfrischkäse, Frischkäse, halbreifer Hartkäse.
Moraiolo
Beliebte Sorte mit Ursprung in der Toskana. Wird dunkelviolett geerntet. Feine Gemüse- und komplexe Obstnoten. Im Duft Artischocke, Rosmarin und süße Mandeln. Harmonische Geschmacksnoten nach frisch geschnittenem Gras, Salat, wilder Zichorie und Trockenobst. Eher zarte Bitternote.
Einsatz: Blattsalate, gedünstetes Gemüse, Cremesuppen, Pasta mit Meeresfrüchten, gebackener Fisch, Frischkäse bis halbreife Käsesorten.
Oblica
Häufigste Sorte Kroatiens, allerdings in Istrien eher selten. Das ausgewogene Verhältnis von Pikanz, Bitternote und deutlicher Süße macht das Öl vielseitig einsetzbar.
Probieren & Genießen
Die Olivenölkultur in Konobas und Restaurants wurde in den vergangenen Jahren immer hochwertiger und nicht selten findet der Gast zwei oder drei gute Öle zur Verkostung auf dem Tisch.
Im Rovinjeser Restaurant Santa Croce kann man etwa zehn kroatische Öle kosten und kaufen, das Marinerestaurant ?Nautica? in Novigrad hält neben Speisen- und Weinkarte auch eine Olivenölkarte bereit und das Restaurant Valsabbion bietet eine fulminante Olivenölverkostung in 5 Cocktailgläsern (3 istrische Olivenöle aus unterschiedlichen Anbaugebieten, Tartar von grünen Oliven sowie Olivenölmayonnaise) als Vorspeise. Nähere Infos zu den Restaurants siehe Seite ?.
Kochen mit Olivenöl
Entgegen der landläufigen Meinung, Olivenöl sei in der warmen Küche unbrauchbar, eignet es sich zum Braten oder Frittieren sehr gut. Extra natives Olivenöl hat denselben Rauchpunkt wie Maisöl (ca. 180 Grad), zersetzt sich aber nicht so schnell und kann deshalb sogar mehrmals verwendet werden. Je kräftiger, bitterer und pikanter sein Geschmack, desto höher ist ein Öl erhitzbar.
Klassifikationen:
Die Bezeichnung ?kaltgepresst? ist entgegen landläufiger Meinungen längst kein Zeichen für Qualität mehr und war schon immer irreführend, denn um Öl aus Oliven gewinnen zu können, ist Wärme notwendig (max. 32 Grad). Alle Qualitätsproduzenten in Istrien produzieren native Olivenöle.
?Extra Vergine? / Natives Olivenöl extra: Erste Güteklasse ? direkt aus Oliven ausschließlich mit mechanischen Verfahren gewonnen. Anteil an freien Fettsäuren. 0,8 g pro 100 g Öl.
Vergine / Natives Olivenöl: Direkt aus Oliven ausschließlich in mechanischen Verfahren gewonnen. Anteil an freien Fettsäuren max. 2,0 g je 100 g Öl.
Maritime Ölspur
Alle angeführten Qualitätsproduzenten verfügen über einen Verkaufsraum und Verkostungsmöglichkeiten. Markierte Olivenölstraßen führen zum Ziel. Zusätzlich produzieren zahlreiche Qualitätsweinbauern ihr eigenes Öl und auch in Vinotheken oder im gut sortierten Einzelhandel werden hochwertige Olivenöle angeboten.
Agrofin, Savudrija Zambratija, (052) 75 92 80,
www.agrofin.hr,
Olivenölstraße: Umag-Novigrad
Al Torcio, Fam. Beletić, Strada Comtessa 22a, Novigrad, Tel. (052) 75 71 79,
www.altorcio.hr,
Olivenölstraße: Umag-Novigrad
Familie Balija, Gali?anska cesta 9, Fa?ana, (052) 52 15 65, Olivenölstraße: Pula/Medulin
Franco Basiaco, A. Manzoni 15, Buje, Tel. (098) 33 40 75, Olivenölstraße: Umag-Novigrad
Livio e Lorenzo Belci, Mlinska 7, Vodnjan, Tel. (052) 51 10 35,
Olivenölstraße: Pula/Medulin
Casa Ciavalon, V. Nazora 16, Vodnjan, Tel. (052) 51 19 06, Olivenölstraße: Pula/Medulin
Nino Činić, Krasica 40, Buje, Tel. (052) 77 61 64, Olivenölstraße: Umag-Novigrad
CUI, Danijel Kraljević, Marija na Krasu, Umag, Tel. (052) 73 23 85,
Olivenölstraße: Umag-Novigrad
Emanuel Grubić, Aldo Negri 7, Bale, Tel. (052) 82 42 84, Olivenölstraße: Rovinj
Gambaletto, Ecio Cinić, Brajki 103, Krasica, Tel. (052) 77 62 93,
Olivenölstraße: Umag-Novigrad
Claudio & Irena Ip?a, Ip?i/Livade, Oprtalj, Tel. (098) 21 95 38, Olivenölstraße: Inneristrien
Moscarda & Giacometti, Istarska 34, Vodnjan, Tel. (052) 51 12 37,
Olivenölstraße: Pula/Medulin
Velko Ostojić, Verkostung und Verkauf im Restaurant Valsabbion, (052) 51 10 40,
www.valsabbion.hr,
Olivenölstraße: Pula/Medulin
Family Rade?ić, Punta 80, Krasica, (052) 77 62 75, Olivenölstraße: Buje/Umag
Renato Spitz, Karigador 82, Novigrad, Tel. (052) 73 51 92, Olivenölstraße: Umag-Novigrad
Aleksandar Tidić, Katun 1, Baderna, (098) 25 42 96, Olivenölstraße: Poreč
Veralda, Luciano Vi?intin, Kr?in 4, Brtonigla, Tel. (052) 77 41 11,
www.veralda.hr,
Olivenölstraße: Umag-Novigrad
Giancarlo Zigante, Livade, Tel. (052) 66 43 02,
www.zigantetartufi.com,
Olivenölstraße: Inneristrien
Oleum Viride, Duilio Belić, Creska 34, Rabac, Tel. (098) 90 92 523, Olivenölstraße: Pula/Medulin

